Die Kraft, Nein zu sagen

© FRÖBEL Kindergarten Farbkleckse
Kinder des FRÖBEL-Kindergartens Farbkleckse beim "Ringen und Raufen"

Dass selbst beim Raufen nicht nur körperliche, sondern auch sozial-emotionale Kraft gefragt ist, lernen die Kinder der Gruppe „Gelbe Kleckse“ des FRÖBEL-Kindergartens Farbkleckse in Hürth bereits früh. Mit Conrad Bläsing, Kinder- und Jugendtrainer im Ringen, üben sie das Ringen und Raufen – und lernen, Nein zu sagen und für sich selbst einzustehen.

Beim letzten Zug ist das kleine Mädchen fast umgefallen, kann sich aber gerade noch so aufrecht halten. Bevor das andere Kind wieder versucht, es über die Linie auf dem Boden zu ziehen, sagt das Mädchen „Stopp“ und beendet damit das „Rübenziehen“.

Diese Übung ist Teil des Projekts „Ringen & Raufen“, das der Trainer Conrad Bläsing mit den Mädchen und Jungen im Kindergarten Farbkleckse in Hürth spielerisch umsetzt. „Ich ermutige die Kinder, Berührungsängste beim Sport abzubauen“, erzählt Bläsing, der von den Kindern liebevoll „Connie“ gerufen wird. „Das geht aber nur, wenn alle wissen, wo die eigenen und die Grenzen der anderen sind. Und wenn diese auch respektiert werden.“

Zu Beginn jeder Stunde werden daher die Regeln durchgegangen, die Bläsing auf einem großen Plakat mitbringt und an die Kita-Wand hängt. „Es ist nicht nur im Sport sehr wichtig, Regeln einzuhalten“, berichtet der Trainer, der selbst jahrelang im Ringen aktiv war. „Ein Stopp oder Nein muss respektiert werden. Wir wollen miteinander, statt gegeneinander ringen. Das ist auch für den Kita-Alltag und das gemeinsame Spielen wichtig.“

So sieht das auch Carina Dreyer, die Leiterin des Kindergartens Farbkleckse. „Raufen ist einfach ein Teil der Kindheit“, sagt sie. Neben dem Auspowern und dem körperlichen Kräftemessen ist für Dreyer besonders die soziale Kompetenz wichtig, die durch das Projekt vermittelt wird: „Die Kinder lernen, das Gesicht und die Mimik der anderen Kinder zu lesen. Wann lachen sie, wann schauen sie weniger glücklich?“, erklärt Dreyer. „Wenn das Stopp kommt, muss das sofort respektiert werden.“ „Und Bläsing erläutert: „Das ist dann die eigentliche Stärke der Kinder. Die Kraft, Nein zu sagen. Und dass es okay ist, wenn sie Angst haben oder es ihnen zu viel wird.“

Aktuelle Ausgabe der "Forscht Mit!": "Ganz schön kräftig" (04/2023)

Cover der "Forscht Mit!": "Ganz schön kräftig" (04/2023)
© Stiftung Kinder forschen

Der Text ist zuerst in der "Forscht mit!"-Ausgabe Nr. 04/2023 erschienen. Unser Körper ist ein echtes Kraftpaket und das muss er auch sein, denn wir brauchen unsere Muskeln zum Rennen, Klettern, Hüpfen oder Heben schwerer Sachen. Ohne Muskelkraft könnten wir nicht die kleinste Bewegung machen, noch nicht einmal Kauen oder mit den Augen blinzeln. „Guck mal, wie stark ich bin!“ – das sagen Kinder oft, wenn sie stolz darauf sind, eine schwere körperliche Anstrengung geschafft zu haben. Aber woher kommt unsere Körperkraft eigentlich? Und hat Stärke immer mit Muskeln zu tun? Diese Ausgabe der „Forscht mit!“ lädt dich dazu ein, gemeinsam mit den Mädchen und Jungen die eigene Kraft zu erkunden. Und wenn die eigenen Muskeln doch nicht ausreichen? Dann erforschen die Kinder verschiedene Techniken und Hilfsmittel, um ihr Ziel trotzdem zu erreichen. Im Heft findest du gute Beispiele aus der Praxis von Kita, Hort und Grundschule – von Kraft mit und ohne Muskeln.

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Bereits an der Universität hat Carina Dreyer das Konzept des „Ringen & Raufens“ kennengelernt und freut sich, dass sie das Projekt in ihrer Einrichtung jedes Jahr mithilfe von Fördermitgliedsbeiträgen anbieten kann. „Die kleineren Kinder sehen, wie viel Spaß das mit Connie macht, und freuen sich darauf, alt genug zu sein, um selbst mitringen zu dürfen.“

Schon der erste Kurs vor zwölf Jahren war ein riesiger Erfolg. Seitdem gibt Conrad Bläsing in den Herbst- und Wintermonaten zwei Kurse pro Woche für die Ältesten in der Kita, die gelben Kleckse. Zuerst bauen alle gemeinsam die Mattenlandschaft auf, dann besprechen sie die Regeln. Zum Aufwärmen gibt es Rennspiele. Doch das Highlight sind die spielerischen Ringübungen wie Beinheben, Balldrücken oder Mausefalle. Beim abschließenden Entspannen kehrt dann wieder Ruhe in die Halle ein.

Was das Schönste für ihn ist? „Dass Kinder ihre Ängste zu überwinden lernen“, erzählt Bläsing. „Wenn sie am Anfang gar nicht mitmachen wollen, sich dann aber doch trauen. Eben weil sie wissen, dass sie die körperliche Kraft haben und noch dazu die Superkraft, jederzeit Stopp sagen zu können.“

Kita Farbkleckse in Hürth

Der FRÖBEL-Kindergarten Farbkleckse ist seit 2013 bei der Stiftung Kinder forschen aktiv und hat sich 2014, 2016, 2018, 2020 und 2022 zertifizieren lassen.

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Autor/in: Daniela Krebs

Damit #gutefrüheBildung für alle Kinder ermöglicht wird, unterstütze ich als Referentin für Presse, Public Affairs und Digitale Kommunikation die Stiftung, die Themen rund um gute frühe MINT-Bildung ansprechend und klar zu formulieren und so eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.

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