Vorgestellt: Unsere neue Vorständin Julia Saalmann

Seit dem 1. Oktober 2026 ist Julia Saalmann im Vorstand der Stiftung Kinder forschen. Hier stellen wir sie kurz vor.

Was hat dich dazu bewegt, zur Stiftung Kinder forschen zu kommen?

Julia Saalmann: In den vergangenen Jahren habe ich mich intensiv damit beschäftigt, wie wir MINT-Bildung in Deutschland strukturell stärken können. Dabei ist für mich immer deutlicher geworden: Wenn wir mehr Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit erreichen wollen, müssen wir früh ansetzen – dort, wo Bildungsbiografien beginnen.

Dazu gehört für mich auch ein Perspektivwechsel, der vielfach nicht vollzogen ist: Kitas sind Bildungsorte, nicht nur Betreuungsorte. Kinder lernen vom ersten Tag an – im Spiel, im Austausch mit anderen und beim Entdecken ihrer Umwelt. Gerade in diesen frühen Jahren werden wichtige Grundlagen für ihre weitere Entwicklung und ihre Bildungschancen gelegt.

Die Stiftung Kinder forschen macht genau das. Sie stärkt über ihr Netzwerk die pädagogischen Fachkräfte, die Kinder jeden Tag begleiten und aus deren Neugier und deren Fragen Bildungsgelegenheiten machen können. Darin liegt für mich ein großer Hebel: Wenn wir Fachkräfte stärken, erreichen wir sehr viele Kinder und können dazu beitragen, dass gute frühe Bildung nicht vom Zufall abhängt. Diesen Hebel möchte ich gemeinsam mit der Stiftung für mehr Chancen- und Teilhabegerechtigkeit nutzen.

Du beschäftigst dich schon lange mit MINT und Bildung – worauf freust du dich bei deiner neuen Aufgabe bei der Stiftung besonders?

Ich komme mit der Perspektive auf die gesamte MINT-Bildungskette und freue mich darauf, mich jetzt noch intensiver mit früher MINT-Bildung zu beschäftigen. Dabei geht es nicht darum, möglichst früh Fachwissen zu vermitteln. Es geht darum, Neugier, Selbstwirksamkeit, kritisches Denken zu stärken und es Kindern damit zu ermöglichen, sich die Welt zu erschließen.

Eine Schlüsselrolle spielen die pädagogischen Fachkräfte. Kinder bringen ihre Fragen und ihre Entdeckerfreude mit. Es braucht Erwachsene, die diese Momente erkennen, nicht sofort die richtige Antwort liefern, sondern gemeinsam mit den Kindern weiterfragen.

Nach sechs Jahren beim Nationalen MINT Forum habe ich den Blick auf Strukturen, Netzwerke und bildungspolitische Rahmenbedingungen. Ich freue mich darauf, diese Erfahrung mit der Frage zu verbinden, was pädagogische Fachkräfte konkret brauchen, damit gute MINT-Bildung im Alltag gelingt und möglichst viele Kinder davon profitieren. 

"Ein Bildungssystem muss sich daran messen lassen, ob es allen Kindern Chancen eröffnet – unabhängig davon, mit welchen Voraussetzungen sie starten."

Julia Saalmann

Warum ist dir frühe MINT-Bildung wichtig?

Die ersten Lebensjahre sind prägend für weitere Bildungswege. Deshalb ist die Qualität früher Bildung ein entscheidender Hebel für mehr Chancengerechtigkeit. Ein Bildungssystem muss sich daran messen lassen, ob es allen Kindern Chancen eröffnet – unabhängig davon, mit welchen Voraussetzungen sie starten.

MINT-Bildung hat dabei ein besonderes Potenzial, weil sie an der natürlichen Neugier von Kindern anknüpft. Kinder beobachten, vergleichen, fragen und probieren aus. Dabei lernen sie nicht nur etwas über Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Sie lernen, Vermutungen zu entwickeln, Probleme zu lösen, gemeinsam nach Antworten zu suchen und mit Misserfolgen umzugehen.

Damit solche Bildungsprozesse entstehen, kommt es entscheidend auf die Qualität der Interaktion mit den pädagogischen Fachkräften an. Wenn wir sie darin stärken, allen Kindern solche Lernerfahrungen zu ermöglichen – unabhängig davon, welche Anregungen sie von zu Hause mitbringen –, verbindet sich MINT-Bildung unmittelbar mit Chancen- und Teilhabegerechtigkeit. Deshalb ist sie für mich keine reine Nachwuchsförderung für MINT-Berufe, sondern ein zentraler Bestandteil allgemeiner Bildung.

 

Was begeistert dich persönlich am Entdecken und Forschen?

Ein „Warum?“ führt bei Kindern schnell zum nächsten. Eine Situation ist mir in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung geblieben: Ich stand abends mit meiner jüngsten Tochter an einer Ampel in Berlin. Sie schaute in den Himmel und fragte plötzlich: „Mama, warum fällt der Mond eigentlich nicht runter?“ Ich hatte keine perfekte Antwort – und schnell überlegten sogar andere Wartende mit. Zu Hause haben wir schließlich gemeinsam im Kinderlexikon nachgeschaut.

Weder Eltern noch Pädagoginnen und Pädagogen müssen auf alles sofort eine Antwort wissen. Eine starke Reaktion kann sein: „Was glaubst du? Wie könnten wir das herausfinden? Wo können wir nachschauen?“ So erleben Kinder: Meine Frage ist wichtig. Ich kann selbst etwas herausfinden, darf mich irren und gemeinsam mit anderen zu neuen Erkenntnissen kommen.

Diese Erfahrung von Neugier und Selbstwirksamkeit ist wertvoll. Und genau deshalb überzeugt mich der Ansatz der Stiftung: Sie stärkt die Neugier der Kinder, indem sie die Menschen stärkt, die sie jeden Tag in ihren Bildungs- und Lernprozessen begleiten.

 

Portrait von Daniela Krebs
Autor/in: Daniela Krebs

Als Referentin für Presse, Public Affairs und Digitale Kommunikation setze ich mich dafür ein, dass #gutefrüheBildung für alle Kinder ermöglicht wird. Ich arbeite in der Stiftung daran, die Themen rund um gute frühe MINT-Bildung und die Arbeit der Stiftung bekannter zu machen.

Alle Artikel von Daniela Krebs