So schön ist Forschen in Kitas und Schulen!
Der Alltag in Deutschlands Kitas, Horten und Grundschulen schreibt die schönsten Geschichten. Hier wird entdeckt, gefragt, ausprobiert und gestaunt. Für unser Jubiläums-Gewinnspiel zum 20. Geburtstag der Stiftung Kinder forschen riefen wir alle Einrichtungen dazu auf, ihre schönsten Forschungsmomente mit uns zu teilen. Fast 150 Einsendungen erreichten uns daraufhin – und versetzten uns selbst in Staunen.
Jede Forschungsreise beginnt mit einer Frage und Kinder haben eine Menge davon. Dinge, die für uns Erwachsene fast selbstverständlich scheinen, bewegen die Kleinsten dazu, plötzlich innezuhalten, interessiert zu beobachten und ihre ganz eigenen Vermutungen aufzustellen.
Von der Frage zur Theorie
„Wie kommen die Nachrichten vom Handy einer Erzieherin zum Handy ihrer Kollegin?“ Dieser Frage gingen die Kinder der Werkstatt Kita St. Raphael in Straelen nach und kamen zu dem Entschluss: „Die ganzen Buchstaben und Bilder fliegen in kleinen Stücken durch die Luft.“ Daraufhin sagte ein Kind: „Da bin ich aber froh, dass sie alle durchsichtig sind, sonst könnten wir den Himmel ja nicht mehr sehen.“ Beim Mittagessen im Fortschritt Kinderhaus Buch am Ammersee fragte ein Kind ihre Erzieherin: „Wie bringen die Nudelköche immer das Moos in die Nudeln rein?“ – Es gab Tortellini mit Spinatfüllung. Und während im Fröbel Kindergarten und Familienzentrum Regenbogen-Pänz zum Thema Licht geforscht wurde, stellte ein Vorschulkind entschlossen fest: „Die Sonne leuchtet nur am Tag so hell. Das macht sie extra, dass sie nachts nicht scheint, damit wir alle besser schlafen können.“
Forschen braucht Raum und Vertrauen
Die spannendsten Lernmomente entstehen oft ganz nebenbei – aus einer guten Portion Neugier, Zeit und einfachen Materialien. Das fand der Fröbel-Kindergarten Zwergenburg Brieselang. Beim Forschen mit Bausteinen wollten die Vorschulkinder herausfinden, wie sie die Steine aufs Papier bringen können. „Schnell entstand die Idee, die Noppen zu zählen und einzuzeichnen“, berichtet eine pädagogische Fachkraft. „Dabei hielten wir einen Moment inne: Steine, die gleich aussahen, hatten unterschiedlich viele Noppen.“ Ein Kind stellte fest: „Der ist größer, hat aber weniger Punkte!“
Gemeinsam wurde gezählt, verglichen, neu gezählt und gemerkt: Mathematik steckt im genauen Hinschauen. „Als MINT-Multiplikatorin ist es mir wichtig, Kindern solche offenen Räume zu geben, in denen sie eigene Denkwege entwickeln und Vertrauen in ihr Forschen gewinnen“, erklärt die Fachkraft und ergänzt: „Genau solche Momente machen für uns gute MINT-Bildung aus.“
Manchmal schmilzt auch Staunen in pures Verstehen.
Kitaleitung im Kinderhaus Rönne Kids
Auch im Kinderhaus Rönne Kids in Bremen konnten sich die Kinder mit viel Raum und Interesse einem besonderen Thema widmen: Schnee. „Wir haben ein Stück mit nach drinnen genommen“, erzählt die Kitaleitung. „Der Schnee lag in einer Schale auf dem Tisch und alle Kinder standen neugierig drumherum.“ Schon begannen die Kinder, das nasskalte Naturphänomen genau zu untersuchen und äußerten ihre ganz eigenen Vermutungen. „Warum ist der Schnee kalt?“, fragte ein Kind. Ein anderes tippte vorsichtig mit dem Finger hinein, zog die Hand dann blitzschnell zurück und rief: „Der beißt!“
Es wurde gefühlt, gedrückt, gepustet. Plötzlich rief ein Kind: „Guck mal, der Schnee weint!“ – denn das Wasser lief langsam in der Schale zusammen. So entstand schließlich aus einer einfachen Schale Schnee ein großes Gespräch über kalt und warm, fest und flüssig. Durch eigenes Beobachten, Anfassen und Reflektieren lernten die Kinder erste Grundlagen über die Eigenschaften des Wassers kennen. „Und am Ende“, fügt die Kita-Leiterin hinzu, „stand da diese leise Erkenntnis: Manchmal schmilzt nicht nur Schnee – manchmal schmilzt auch Staunen in pures Verstehen.“
Wissenschaft, die „greifbar“ wird
Wasser faszinierte auch die Kinder der Wittelsbacher Grundschule in Augsburg. „Füllt das Glas so weit mit Wasser, wie es möglich ist“, gab eine Lehrerin ihren Schüler:innen die Aufgabe. Mit Pipetten und viel Fingerspitzengefühl näherten sich die Kinder dem Rand. Dann geschah das Unerwartete: „Anstatt überzulaufen, wölbte sich das Wasser über den Glasrand hinaus nach oben“, erzählt sie. Erstaunt rief ein Kind: „Krass, da passt viel mehr Wasser rein, als das Glas Platz hat!“ „In diesem Moment wurde Wissenschaft greifbar“, schildert die Lehrkraft. „Dieses Staunen über das Phänomen war ein magischer Moment, der die bisherige Logik der Grundschüler auf den Kopf stellte.“
In der Kindertagespflege „buntes Leben“ in Pinneberg fragten die Mädchen und Jungen: „Wie landet der gekaute Faschings-Muffin eigentlich im Magen?“ Klar war längst: Die Zähne zerkleinern den Muffin und die Zunge „wälzt“ diesen dabei um. Auch wussten die Kinder schon, dass der Magen „matsch-matsch-matsch“ macht, bevor der Brei dann später in den Darm gelangt... und am nächsten Tag im Töpfchen oder der Toilette landet. Aber vom Mund zum Magen?
Die Kindertagespflegeperson erzählt: „Schnell wurde unser Skelett Otto gefragt und ‚untersucht‘. Daraufhin testeten die Kinder verschiedene Röhren – eine steife Pappe, Papier, einen dünnen Strohhalm und eine flexible Spirale – und entwarfen mit Begeisterung und Kreativität ihren eigenen ‚Menschen‘.“ Das Fazit der Kinder: Eine (Speise-) Röhre verbindet Mund und Magen. Wenn diese Röhre ein flexibler Schlauch ist, dann rutscht der Muffin – im Versuch ein kleiner Ball – besser zum Magen (die bunten Holzbögen im Bild).
Und warum bleibt der Ball dort stecken und rollt nicht gleich in den Darm aus Magnetbausteinen weiter? „Das war für die Kinder ganz logisch“, erklärt die Pflegeperson. „Denn sie wissen: Verdauung dauert.“
MINT ist überall
Dass allein im Malen und Basteln ganz viel MINT steckt, zeigte die Kita Vellahn anschaulich. Bei der Herstellung eines Regenbogensalzbildes beobachteten die Mädchen und Jungen gespannt, wie Aquarellfarbe auf einer Salzspur zu einem bunten Gemälde zusammenfließt.
Wie viel Kleber ist nötig, um das Salz zuvor zu fixieren? – Hier steckt echte Mathematik drin! Halten die Kinder den Ablauf ein, vom Kleber, zum Salz, zur Farbe? – Damit lernen sie erste Grundlagen, die auch in der Informatik wichtig sind. Beim Beobachten, wie die Aquarellfarbe mit dem Salz verläuft, sind die Kinder einem naturwissenschaftlichen Phänomen ganz nah auf der Spur und auch die Technik kommt nicht zu kurz, denn: Die Farbe wird durch das Salz regelrecht „transportiert“.
Wir könnten noch viele dieser Aha-Momente teilen, in denen die Kinder sich Schritt für Schritt die Welt erschließen, gemeinsam entdecken, forschen und dabei lernen: „Ich kann das!“ – denn für solche bestärkenden Erfahrungen sind die pädagogischen Fach-, Lehr- und Leitungskräfte tagtäglich im Einsatz. Unser Gewinnspiel hat einmal mehr gezeigt: Ohne ihre Arbeit wäre das nicht möglich! Toll, was sie auf die Beine stellen, um Kindern unvergessliche Lernmomente zu ermöglichen und ihnen Raum für ihre vielen Fragen zu geben!
Weitere schöne Forschungsmomente veröffentlichen wir auf unserem Campus unter der Rubrik „Praxisbeispiele“ sowie demnächst in der „Forscht mit!“.