"NRW ist überall anders – und genau das liebe ich daran"
Gleich zehn Netzwerkpartner aus Nordrhein-Westfalen feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Neun von ihnen sind seit 15 Jahren Teil der Initiative, einer seit fünf Jahren. Natalie Tadros, seit 17 Jahren Länderreferentin der Stiftung Kinder forschen für NRW, hat viele dieser Partnerschaften von Beginn an begleitet. Wir wollten wissen, was damals los war – und wie sie es geschafft hat, so viele engagierte Partner für gute frühe MINT-Bildung zu gewinnen.
Weißt du eigentlich, wie viele Kilometer du in all den Jahren unterwegs warst?
(lacht) “Nein, ehrlich gesagt nicht – aber es waren viele! Ich war rund 132 Tage im Jahr unterwegs, also etwa drei Tage pro Woche. In dieser Zeit habe ich noch drei Bundesländer betreut: Hamburg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Eine spannende, intensive Zeit – mit unzähligen Begegnungen und Gesprächen, die mich bis heute begleiten.”
Heute betreuen Kolleginnen Hamburg und Rheinland-Pfalz. Nur NRW ist geblieben – warum gerade NRW? Was unterscheidet NRW von anderen Bundesländern?
"NRW ist einfach besonders. Kaum hat man eine Kreisgrenze überquert, fühlt es sich an, als wäre man in einem ganz neuen Bundesland – so vielfältig und unterschiedlich sind die Regionen. Genau das macht die Arbeit so spannend: Es ist, als würde man 54 Bundesländer gleichzeitig betreuen. Jede Dienstreise, jedes Gespräch brachte neue Perspektiven, von denen nicht nur die Netzwerkpartner und Einrichtungen profitierten, sondern auch ich selbst konnte viel im Gepäck mitnehmen und lernen
NRW war oft Vorreiter, gerade beim Thema Übergänge von der Kita in die Grundschule. Und ich liebe die Menschen hier. Unsere Koordinator:innen vor Ort arbeiten mit so viel Engagement und Herzblut. Sie sind immer offen, tatkräftig und echte Netzwerker:innen, die Austausch suchen und mutig neue Ideen anstoßen und sich auch schnell für Neues begeistern und mitreißen lassen. Da muss man definitiv gut mithalten können und auf ‘Zack’ sein.
Und genau deshalb ist NRW geblieben, weil es lebendig, vielfältig und voller Möglichkeiten ist."
Es fühlte sich an wie ein gemeinsamer Start in etwas Neues – und wie der Moment, in dem wir gemeinsam Bildung gestalten konnten. Dieser Spirit trägt mich bis heute.
Natalie Tadros, Länderreferentin NRW
Was ist dir wichtig, wenn du neue Partner für die frühe MINT-Bildung gewinnst?
"Mir ist wichtig, das Angebot der Stiftung in bestehende Strukturen einzubetten – also mit den Menschen vor Ort zu gestalten, nicht über sie hinweg.
Eine gute Vertrauensbasis ist für mich die Grundlage für alles. Ich lege Wert auf Offenheit, Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe. Die Partnerinnen und Partner kennen ihre Region am besten – ihre Herausforderungen, aber auch ihre Chancen. Gemeinsam schauen wir, wie die Stiftung dort am besten unterstützen kann.
Und: Ein kollegiales, wertschätzendes Miteinander ist mir besonders wichtig. Wenn das stimmt, entsteht richtig gute Zusammenarbeit."
Wenn du an die Zeit vor 15 Jahren zurückdenkst – was kommt dir in den Sinn?
"Da denke ich sofort an den starken Pioniergeist dieser Zeit. Es ging darum, Menschen persönlich kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Ich habe schnell gemerkt, wie wertvoll echte Begegnungen sind – zuzuhören, was eine Region braucht, und Wege zu finden, wie wir das Angebot der Stiftung langfristig verankern können.
Einer der vielen „Wow“ Momente war z.B. die Gründung des Netzwerks im Kreis Höxter: drei Monate vom ersten Gespräch bis zur Auftaktveranstaltung, eine kluge Bedarfsabfrage, halbtägige Workshopformate, perfekt abgestimmt auf den Kita-Alltag und ein rekordverdächtig schnelles ‚Morgen kommt der Weihnachtsmann‘ auf Klangröhren. Da war sofort klar: Hier wollen Menschen wirklich etwas bewegen.
Es war insgesamt eine Aufbruchszeit in NRW: überall neue Regionale Bildungsbüros, viele mit Schwerpunkten wie Übergänge oder Sprachbildung. Die Rahmenbedingungen in den Einrichtungen wirkten entspannter, die Pädagog:innen weniger belastet. Es fühlte sich an wie ein gemeinsamer Start in etwas Neues – und wie der Moment, in dem wir gemeinsam Bildung gestalten konnten. Dieser Spirit trägt mich bis heute."
Sind über die Jahre auch Freundschaften entstanden?
“Ja, viele. Mit etlichen Partner:innen verbindet mich bis heute ein sehr enger Austausch – auch über die Arbeit hinaus. Diese Verlässlichkeit und Nähe sind etwas ganz Besonderes. Da ruft man sich auch sonntagmorgens mal kurz an, wenn etwas Wichtiges ansteht – ganz selbstverständlich und mit viel gegenseitigem Vertrauen.”
Und zum Schluss: Auf welchem Bahnhof hast du wohl am meisten Zeit verbracht?
(lacht) “Frag' lieber, auf welchem Bahnhof man lieber nicht im Dunkeln stehen bleiben möchte – das ist ganz klar Au am Sieg! Da bin ich tatsächlich einmal einem Zug hinterhergerannt und habe so lange im Rennen auf den Knopf gedrückt, bis der Fahrer noch einmal angehalten hat. Das ist kein Bahnhof, an dem man nachts gestrandet sein möchte, das hat auch der Lokfahrer eingesehen!”
Wir gratulieren herzlich zu 15 und 5 Jahren Netzwerkpartnerschaft in NRW:
- Kreis Kleve – Hochschule Rhein-Waal
- Kreis Gütersloh – Bildungsbüro
- Kinder forschen im Kreis Olpe
- Kita-Netzwerk Kreis Steinfurt
- Kreis Warendorf
- VHS Duisburg
- Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn
- Das Emschertal forscht (Herne)
- Regionales Netzwerk Mönchengladbach – WiNetz iA
5 Jahre Partnerschaft:
Kinder forschen – Netzwerk Leverkusen